Musik und Spiritualität – Musik als spirituelle Praxis

In nahezu jeder Religion nimmt die Musik einen ungemein wichtigen Stellenwert ein. Seien es im Christentum die Kirchenlieder, im Schamanismus das Trommeln und Singen, im Buddhismus die rhythmischen Rezitationen oder aber die Kirtans und Bhajans in der hinduistischen Tradition – Musik und Spiritualität sind untrennbar miteinander verbunden. Und dies bereits seit Jahrtausenden. Tatsächlich ist die Musik jedoch weit mehr als nur ein Beiwerk der verschiedenen Religionen und spirituellen Strömungen, denn sowohl das Hören von Musik als auch das Musizieren können als eigenständige spirituelle Praxis angesehen werden.

musik und spiritualität

Welche Art von Musik ist wirklich spirituell?

Ich selbst musiziere bereits seit vielen Jahren und höre seit meiner Kindheit mit hoher Begeisterung Musik. Spätestens, als der erste Walkman das Licht der Welt erblickt hat, begleiteten mich meine Lieblings-Songs überall hin. Heute, in der Zeit der Smartphones, sowieso. Die Musik war für mich persönlich immer weitaus mehr, als pure Unterhaltung. Denn die Musik ist für mich ein ideales Medium, um verborgene Aspekte der eigenen Psyche kennenzulernen und unterdrückte Emotionen an die Oberfläche zu bringen. Musik und Spiritualität sind für mich untrennbar miteinander verbunden. Nicht umsonst kann uns eine besonders liebliche Melodie zu Tränen rühren oder ein harter Metal-Song die lange ignorierte Wut in uns aufflammen lassen. Musik hilft uns dabei, unterdrückte Emotionen aufzuarbeiten. Es ist tatsächlich ganz egal, welche Art von Musik wir hören, wichtig ist nur, dass wir mit den Songs innerlich resonieren. Menschen, die beispielsweise behaupten, nur Mantra-Rezitationen, Musik aus einem bestimmten Kulturkreis, klassische Musik oder Musik aus dem Bereich „New Age“ sei spirituell, haben meiner Meinung nach nicht verstanden, wobei es bei der Spiritualität geht. Jede Art von Musik kann meiner Erfahrung nach als spirituell angesehen werden, denn jede Art von Musik bringt uns auf direktem Weg unserem inneren Selbst näher und hilft uns somit bei der spirituellen Entwicklung. Wichtig ist hierbei nur, wie bereits erwähnt, die Resonanz zwischen unserem Inneren und der Musik. Denn durch diese Resonanz kommen wir unweigerlich in Kontakt mit unseren Emotionen und können diese zulassen. Sind wir frei von belastenden und blockierenden Emotionen, so steht auch unserer spirituellen Entwicklung nichts mehr im Wege. Zumindest fast nichts mehr.

Das Universum ist Musik – Musik und Spiritualität

Vor einiger Zeit kam ich in den Genuss eines wunderbaren Buches mit dem Titel „Musik und kosmische Harmonie aus mystischer Sicht“. Der Autor dieses Büchleins, der Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan, beschreibt in einfach verständlichen Worten, wie sich das gesamte Universum und auch wir Menschen uns aus Klang und Rhythmik zusammensetzen und wie Musik und Spiritualität Hand in Hand gehen. Selbst das kleinste Teilchen im Universum und in uns schwingt in einer bestimmten Frequenz und bewegt sich in einem bestimmten Rhythmus. Musik ist nichts anderes – Schwingung und Rhythmik. Unter Anbetracht dieser Ausführung kann natürlich mit Absolutheit gesagt werden, dass wir konstant von Musik umgeben sind, dass wir selbst aus Musik bestehen und dass es ohne Klang auch kein Universum geben würde. Die Aufgabe des Menschen kann es nun sein, seine eigene, persönliche Schwingung mit der höchsten Schwingungsfrequenz im Universum in Einklang zu bringen – mit Gott. Dies kann durch das Hören von Musik geschehen und auch durch das Musizieren. Wichtig hierbei ist jedoch, bewusst zu hören und zu musizieren, sich auf die Musik einzulassen, ihr das Tor in unser Innerstes zu öffnen und uns mit der Schwingung und Rhythmik der Musik zu verbinden. Auch hier ist es natürlich ganz egal, welche Art von Musik der Einzelne vorzieht. Jeder hat die freie Wahl und kann seine Lieblingsmusik als Medium für die Selbstfindung und spirituelle Weiterentwicklung einsetzen.

Nada Yoga – das wahre Zuhören

In Indien findet sich eine alte spirituelle Praxis, die als „Nada Yoga“ bezeichnet wird. Das Sanskrit-Wort „Nada“ bedeutet soviel wie „Klang“ und grundlegend geht es beim Nada Yoga darum, sich durch das Zuhören mit dem Göttlichen zu verbinden. Das Problem hierbei ist jedoch, dass wir das „richtige“ Zuhören verlernt und somit den direkten Kontakt zu Gott verloren haben. Durch gezielte Meditationen üben die Nada-Yogis zuerst Schritt für Schritt die äußeren Klänge wahrzunehmen, um sich nach und nach zu den inneren Klängen vorzuarbeiten. Hierbei kommt der Yogi mit der Zeit auf immer subtilere Klangebenen, bis er letztendlich eine Verbindung zum göttlichen Klang, zur „Frequenz Gottes“ herstellen kann. Es versteht sich von selbst, dass für diese spezielle Meditationspraxis ein jahrelanges Üben und auch die schrittweise Anleitung durch einen erfahrenen Lehrer unabdingbar sind. Dennoch kann der erste Schritt des „richtigen Zuhörens“ auch eigenständig gegangen werden, indem man sich einfach im bewussten Hören von Musik übt. Im Nada Yoga versteht sich als Musik als Spiritualität.

Musik als Heilmittel – wie kann Musik bei Krankheit helfen?

Eine Frage, die sich in Bezug auf das Thema Musik und Spiritualität sehr häufig stellt: Kann Musik wirklich heilen? Unter Anbetracht der psychologischen Wirkung von Musik lässt sich diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Entfernen wir uns an dieser Stelle einmal kurz vom spirituellen Aspekt der Musik und betrachten die rein wissenschaftliche Forschung zum Thema „Musik als Heilmittel„. In der Vergangenheit wurden bereits zahlreiche Studien durchgeführt, welche das Ergebnis erbrachten, dass Musik tatsächlich den Heilungsprozess bei Krankheiten fördern kann. In erster Linie ging es bei diesen Studien darum, die Auswirkung von Musik auf die Psyche der kranken Menschen unter die Lupe zu nehmen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass das regelmäßige Hören von Musik tatsächlich zu einer Verbesserung des psychischen Zustandes der Testpersonen führte und somit auch die Selbstheilungskräfte auf einem idealen Niveau arbeiten konnten und die „Bereitschaft zur Heilung“ gefördert wurde. Auf einer subtileren Ebene betrachtet, kann uns Musik tatsächlich dabei behilflich sein, unsere Schwingung im Körper wieder zu harmonisieren und auf diesem Weg die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Krankheiten werden häufig auf ein Ungleichgewicht im persönlichen Schwingungsfeld des Menschen zurückgeführt und wird die persönliche Schwingung durch Musik wieder harmonisiert, verschwinden auch die Krankheiten. Hierbei ist es natürlich wiederum wichtig, dass der Einzelne mit der Musik resoniert. Die Auswahl der Musik muss auch unter dem Kontext der Heilung von Krankheiten betrachtet nach den ganz persönlichen Vorlieben geschehen. Die Lieblingssongs als Heilmittel – was kann es Schöneres geben?

Wie kann ich Musik zu meiner spirituellen Praxis machen?

Zum Ende dieses Artikels möchte ich noch auf die Frage eingehen, wie der Einzelne denn nun das Hören von Musik oder auch das Musizieren zu seiner persönlichen spirituellen, heilenden oder verbindenden Praxis machen kann. Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach: Höre und mache Musik einfach bewusst! Dann stellst Du unweigerlich die Verbidnung zwischen Musik und Spiritualität her! Richte Deine volle Aufmerksamkeit auf die Klänge und Rhythmen und verweile im Jetzt, im momentanen Augenblick! Widme die Musik, die Du hörst oder selbst machst, dem Universum, dem höchsten Wesen oder Gott – ganz egal wie Du es/ihn nennen möchtest – widme die Musik einfach und übe Dich hierdurch im selbstlosen Verweilen! Lass die Musik in deine Seele eindringen und versuche, eine Verbindung zu deinem inneren wahren Selbst, zu Deinem inneren Klang, herzustellen. Beobachte die Emotionen, welche die Musik in Dir auslöst. Lasse sie zu und arbeite mit ihnen! Damit gehst Du einen wichtigen Schritt zum wahren Menschsein! Und einen Schritt auf dem Weg zum wahren Menschsein zu gehen – dies ist echte Spiritualität!

Artikel empfehlen:Share on Facebook0Share on Google+1Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Digg thisShare on Tumblr0Email this to someonePrint this page

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *