Spiritualität und die Kampfkünste Asiens

Die Kampfkünste Asiens sind prinzipiell sehr eng mit den Traditionen und auch mit der Spiritualität ihres jeweiligen Herkunftlandes verbunden, was die verschiedenen Kampfkünste Asiens zu weit mehr macht, als zu reinen Selbstverteidigungsformen. Sei es nun das aus Japan stammende Karate, Aikido, Judo, Kendo, Ninjutsu, Ju-Jutsu oder das aus Korea stammende Taekwondo sowie das aus China stammende Kung-Fu oder Tai Chi Chuan, jeder dieser Kampfkünste liegt ursprünglich ein ungemein tief greifender spiritueller Aspekt zugrunde, der heute leider in vielen Fällen etwas zu kurz kommt.

Kampfkünste Asiens

Kampfkunst oder Kampfsport

In Bezug auf die Spiritualität der Kampfkünste Asiens muss in erster Linie zwischen der Kampfkunst und dem Kampfsport unterschieden werden. Beim Kampfsport steht grundsätzlich, wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, der sportliche Aspekt der Kampfformen inklusive der Wettstreit der Kampfsportler an erster Stelle. Bei den traditionellen Kampfkünsten hingegen geht es mehr darum, den Körper und auch den Geist durch das regelmäßige Üben und Trainieren der Kampfkunst zu kultivieren und hierdurch Kontakt mit dem spirituellen Selbst herzustellen. Hierbei steht vor allem der meditative Zustand des Kampfkünstlers im Vordergrund, welcher sich durch die hohe Konzentration beim Trainieren und auch durch das Fließen der Lebensenergie Ki (japanisch) oder Chi (chinesisch) einstellt. Ein sehr schönes Beispiel hierfür stellt die aus China stammende und eng mit dem Taoismus verbundene Kampfkunst Tai Chi Chuan dar.

Tai Chi Chuan – die innere Kampfkunst

Das chinesische Tai Chi Chuan wird als innere Kampfkunst bezeichnet, da alle Kampftechniken dieser sehr geschmeidig anmutenden Kampfform nicht auf der Muskelkraft des Kampfkünstlers aufbauen sondern auf dessen Chi. Das Chi wird hierbei gezielt durch exakte und sehr sanfte Bewegungsabläufe zum Fluss gebracht, wofür ein sehr hoher Entspannungszustand, sowohl geistiger als auch körperlicher Natur, absolut unabdingbar ist, und daher das Tai Chi Chuan auch als Meditation in der Bewegung angesehen werden kann. Durch den Fluss des Chi wird der Körper gestärkt und die Selbstheilungsprozesse aktiviert und in der Kampfform des Tai Chi Chuan sind die Kampfkünstler lediglich darum bemüht, die Angriffsenergie des Aggressors auf diesen zurückzuwerfen, wodurch der Kampfkünstler selbst keinerlei eigne Kraft oder Chi für die erfolgreiche Abwehr eines Angriffs benötigt.

Die Meditation als Aspekt der Kampfkünste Asiens

Selbstverständlich weist nicht nur das Tai Chi Chuan als innere Kampfkunst einen wichtigen spirituellen Aspekt auf, auch für die weiteren Kampfkünste Asiens ist die Meditation und die Kultivierung des Chi oder Ki von enormer Wichtigkeit. Beispielsweise wird auch bei der Kampfkunst Karate, obwohl das Karate hierzulande heutzutage häufig einen klar ersichtlichen Kampfsportcharakter aufweist (Gürtelprüfungen, Wettkämpfe), vor den einzelnen Trainingseinheiten in den meisten Vereinen und Dojos eine gemeinsame Mediation in Seiza (dem Kniesitz) durchgeführt. Auch im Aikido und im Kendo ist dies eine greläufige Vorgehensweise. Zudem wird in allen asiatischen Kampfkünsten sehr viel Wert auf die Etikette gelegt, was ebenfalls zu Kultivierung des Geistes und zu einem respektvollen Miteinander führt.

Kampfkünste und asiatischen Philosophie

In den traditionellen Kampfkünsten aus Asien finden sich je nach Herkunftsland immer wieder die verschiedensten Aspekte der jeweiligen Philosophien und auch Religionen des Landes. Wie bereits erwähnt, ist beispielsweise das Tai Chi Chuan sehr eng mit dem chinesischen Taoismus und der Lehre von Yin und Yang verbunden. Die Meditation beim Karate, Kendo und Aikido weist wiederum eine enge Verbindung zum japanischen Zen Buddhismus auf, wobei das Aikido auch klare Aspekte des japanischen Shintoismus beinhaltet. Letztendlich gilt bei allen diesen unterschiedlichen Kampfkünsten daher das Prinzip der Erhaltung des inneren und auch äußeren Friedens.

Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft! (von Sunzu „Die Kunst des Krieges“)

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7 Gedanken zu „Spiritualität und die Kampfkünste Asiens

  1. silver price

    Unseriöses im Bereich „Asiatische Kampfkunst“ wird auch behandelt unter der Rubrik „Szene“. So kann man sich diesem zentralen Bereich von unterschiedlichen thematischen Sichtweisen her nähern. Generell ist leider zu beobachten, dass heutzutage, wo die gesundheitlichen Aspekte im Vordergrund stehen, sich der Kampfkunst-Aspekt im Hintergrund zu etwas entwickelt, dass Experten mit sehr gemischten Gefühlen beobachten. Dazu wird hier künftig mehr ausgeführt.

  2. Can-C Eye Drops

    Seit 6 Generationen entwickelt sich Tai Chi zu einer sehr ausgereiften „Inneren Kampfkunst“. Während das Tai Chi des Gründers Yang Luchan (Yang Fukui) heute nicht mehr betrieben wird, gewannen im Laufe der Zeit Aspekte der Gesundheit immer mehr an Gewicht. Der Aspekt des Siegens und des Überlebens in kriegerischer Zeit traten in den Hintergrund. Dr. Langhoff betreibt Forschungen über das ursprüngliche Wushu des Yang Luchan, der mutmaßlich unterschiedliche Kampfkünste betrieben hat. Info: http://www.innere-kampfkunst.info.

  3. gold price

    Seitdem sich das Taijiquan zunehmender Beliebtheit erfreut und weiter verbreitet, ist eine sehr große Diversität von Stilen zu beobachten. Es haben sich unzählige Weiterentwicklungen, Abkömmlinge und Mischungen entwickelt, die unter der Bezeichnung „Taijiquan“ gelehrt und praktiziert werden.

  4. Leah H. Atkinson

    Jessica: In jeder Ausgabe der „Kampfkunst International“ für knapp 4 Euro ist ein großes Werbeinserat dieser Organisation : shaolin-wing-chun-chuan.de (Dort steht aber noch nichts !) Hier die reguläre Anschrift : SWCC Kampfkunstakademie Castrop-Rauxel Wartburgstraße 42 44579 Castrop-Rauxel Tel.: 02305-442396, Fax: 02305-891771 Was das alles taugt, vermag ich nicht zu beurteilen ! Wenn du eine Schule in deiner Nähe hast, dann gehe einfach zum Probetraining und lasse dich bei Verträgen nur auf möglichst kurze Laufzeiten ein. Ob es dir dort wirklich gefällt, weisst du nach meiner Erfahrung erst nach ca. sechs Monaten. Und länger sollte dein Vertrag auch nicht unkündbar sein !

  5. Kitty Langley

    Wushu: Kämpfen lernen ist letztlich der Kampf gegen sich selbst und damit eine wahre Lebenskunst! In letzter Konsequenz geht es darum, Kämpfen zu vermeiden und mögliche Konflikte und Auseinandersetzungen vernünftiger zu lösen. Dies haben besonders meine Lehrmeister Teruo Kono und Fu Zhongwen stets betont. Kampfsport eignet sich besonders gut für junge Menschen, um in einem nicht ganz ungefährlichen Rahmen die Vorteile von Vorschriften, Spielregeln und Fairness zu erkennen. Insofern sollte man den Begriff „Innere Kampfkunst“ sehr weit fassen.

  6. Lyman Bass

    Vieles in der Überlieferung zu großen Meistern früherer Zeiten ist nicht konkret belegbar – vieles wird Spekulation bleiben. Viele Legenden und angebliche Begebenheiten, wie sie in der „Szene“ zirkulieren, dienen meines Erachtens lediglich der „Geschichtsklitterung“ als „Tai Chi Guru“ und sagen somit mehr aus über die Nachwelt als über die Altmeister selbst. Was viele nicht wissen: Der Begriff „Spiritueller Lehrer“ in östlichen Sprachen (z. B. im Buddhismus) wie „Lama“, „Guru“ geht häufig zurück auf die Bedeutung „Vater“ und zeigt sehr schön die ursprüngliche moralisch-wirtschaftliche Bindung.

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